Die moderne Imkerei ist eine intensive Auseinandersetzung mit Natur und Umwelt. Viel Erfahrung und eine gute Beobachtungsgabe sind notwendig, um ein Bienenvolk erfolgreich zu betreuen. Die Honigsammler mit den wehrhaften Stacheln lassen sich nicht zähmen. Sie sind Wildtiere, keine Haustiere. Aber wenn man ihre Eigenheiten versteht, entpuppen sie sich als hervorragende und wertvolle Arbeitskollegen.

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Die Biene hat ein sehr soziales Wesen mit hohem Nutzen der Natur. Die Biene ist sehr lernfähig und kann auf Farben, Muster, Düfte, Magnetfelder reagieren. Sie kann sich viele Kilometer vom Stock entfernen und wieder zurückfinden. Die Bienenkönigin ist das einzige weibliche Tier im Stock, das für Nachwuchs sorgt. Pro Tag legt sie bis zu 2.000 Eier. Das ist mehr als ihr eigenes Körpergewicht. Für die Zucht bettet der Imker regelrecht eben erst geschlüpfte Larven in besondere Gemächer um, in so genannte Weiselzellen. Bienen erkennen sie als die Wiege zukünftiger Königinnen und versorgen sie mit einem ganz besonderen Futtersaft, dem Gelée Royale. Täten sie es nicht, würden aus den Larven Arbeiterinnenwerden. Bienenköniginnen begeben sich bereits 7 Wochen nach ihrem Schlüpfen auf ihren Hochzeitsflug, bei dem sie sich nacheinander mit durchschnittlich sieben Drohnen paaren. Bei der Zucht geht das sehr geordnet zu. Imker achten darauf, dass sich ihre Königinnen mit Drohnen mit idealem Erbgut enpaaren. Die Samen der Drohnen reichen bis an ihr Lebensende für die Ablage von abertausend Eiern. Im Sommer wachsen Bienenvölker auf bis zu 60.000 Mitglieder an. Die meisten davon sind Arbeiterinnen, von denen jede 8.000 Flugkilometer abspult um Nektar und Honigtau zu sammeln. Ganz nebenbei pflegen sie noch die Brut, bauen Waben und halten den Stock von Ungeziefer frei. Sie arbeiten sich buchstäblich in 4 bis 6 Wochen zu Tode, während Winterbienen stressfrei bis zu 9 Monate leben. Das Leben im Stock folgt der gleichen Nestordnung wie in den natürlichen Baumhöhlen, in denen die Honigbiene ursprünglich wohnte. Im Zentrum steht der Brutbereich. Honig ist eine Kraftquelle, die antibakterielle Wirkung hat und über Jahre gelagert werden kann ohne zu verderben. Der Mensch schätzt dieses hochwertige Produkt seit der Steinzeit.

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Lange Zeit war es der einzige Süssstoff, der uns zur Verfügung stand. Aber die Bedeutung der Biene geht weit darüber hinaus. Die Biene trägt grosse wirtschaftliche Bedeutung. Viel Idealismus wird dem abverlangt, um die Population der Honigbienen flächendeckend zu sichern. Bienenzucht ist eine Leidenschaft. Bienen reagieren hochsensibel auf jede Veränderung in der Natur. Gewitter machen sie nervös und aggressiv. Ebenso die Unruhe, die der Mensch in sich trägt. Erfahrene Imker lesen im Verhalten ihrer Schützlinge wie in einem Buch und reagieren entsprechend. Denn niemand kann Bienen seinen Willen aufzwingen. In diesem respektvollem Umgang liegt für viele Imker die eigentliche Faszination. Wenn es den Bienen gut geht, kommt die Honigleistung ganz von selbst. Im Sommer ist es Zeit die Honigernte einzubringen und zu schleudern. Obwohl Honig an vollkommen naturbelassenes Produkt ist, dem nichts hinzugefügt oder entzogen werden darf, ist es die arbeitsreichste Zeit für den Bienenzüchter. Die Behauptung “Honig gleich Zucker” stimmt nicht. Zucker ist ein hochgereinigtes Produkt, dass Rohzucker und Glykose enthält, während der Honig ein ganzes Bouquet von Inhaltstoffen ist mit dem Hauptbestandteil Zucker ist. Stoffe, die mit dem Nektar in den Honig gelangen, sorgen auf diese Weise für die Unterschiede in Geschmack und Aroma. Während verschiedene Zuckerarten nur süss schmecken oder duften, sind verschiedene Honigarten, wie Esskastanien-, Lindenblüten-, Rapshonig einzigartig. Honig enthält auch Stoffe, die Bakterien abtöten können, dadurch, dass die hohe Zuckerkonzentration und der sauere pH-Wert für das Bakterienwachstum ein ungünstiges Milieu schaffen. Speise der Götter wurde der Honig im alten Ägypten ehrfurchtsvoll genannt. Die medizinische Wirkung vieler Bienenprodukte für den Menschen ist seit langem bekannt, wenn auch wissenschaftlich nicht in allen Details erforscht. Nach der Sommersonnenwende beginnt für die Bienenzüchter die Zeit, in der sie den Bienen zurückgeben, was sie von ihnen erhalten haben. Um den Honig zu ersetzen, wird Zuckerwasser zugefüttert, damit die Bienen heil über den Winter kommen. Imker leben auf Tuchfühlung mit dem Jahreskreislauf der Natur und wissen, welche unschätzbaren Dienste Bienen durch die Bestäubung der Pflanzen für uns Menschen leisten. 

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Bienen sind der Indikator für eine gesunde Umwelt. Unbestechlich zeigen sie an, wenn der Mensch zu sehr in die Natur eingreift. Wo Artenvielfalt verschwindet und Agrarindustrie Einzug hält, verlieren Bienenvölker ihre Lebensgrundlage und sterben. Sie lassen sich nicht manipulieren. Keine Bienen, keine Tiere, keine Pflanzen, keine Menschen mehr. “Wenn die Bienen verschwinden hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.” Diese Worte werden Albert Einstein zugeschrieben. Es wird aber angezweifelt, dass sie tatsächlich von ihm stammen. Grundsätzlich ist es symbolhaft, dass man die Biene als Umweltindikator betrachten muss. Wenn die Umwelt so schlecht geworden ist, dass die Biene darin nicht überleben kann, geht es auch dem Menschen schlecht. Auf Nahrungsgrundlagen bezogen, gibt es Ergebnisse und Zusammenfassungen, die zeigen, dass ungefähr 10% der Welt-Nahrungsproduktion durch die Beinenbestäubung zustande kommt und 90% durch Pflanzen, die nicht auf Bienen- oder andere Insektenbestäubung angewiesen sind. Getreide zum Beispiel braucht keine Insekten, um bestäubt zu werden. Mit Bienen sind in diesem Zusammenhang nicht nur die Honigbiene, sondern alle Bienen beziehungsweise alle blütenbesuchenden Insekten gemeint. In wenigen Berufen kommt der Mensch so unmittelbar mit dem Pulsschlag der Natur in Kontakt wie bei der Arbeit mit Bienen. Detailliertes Wissen über natürliche Zusammenhänge und das Wesen der Tiere ist notwendig, um fachgerecht handeln zu können. Für den Imker ist es die grösste Freude, wenn sich die Bienenvölker gut entwickeln. Es ist die Bestätigung für die Qualität seiner Arbeit. Und jedes Jahr lernt der Imker von seinen Bienen Neues.

Jede Biene zählt!